Eine Deutsche im “Maremmanoland”

Wie alles begann...

PascoloSeit ich denken kann, haben mich Hunde fasziniert. Dank meiner Familie, hatte ich die Moeglichkeit mit Hunden aufzuwachsen. Auch als ich mich aus beruflichen Gruenden etwas von der Hundeszene entfernte, war der Wunsch nach einem Leben mit Hunden immer da.

Im Jahr 2000 beschloss ich mein Leben radikal zu aendern und wanderte nach Italien aus. Auf meinen Ausfluegen im Sueden des Landes begegnete ich eines Tages einem Schaefer, der seine Schafe eintrieb. Meine Neugierde entging dem Hund des Hirten nicht. Ploetzlich stand ein grosser weisser Hund vor mir und bellte mich mit tiefer drohender Stimme an. Instinktiv ruehrte ich mich keinen Milimeter und blieb wie angewurzelt stehen, denn obwohl mir der Hund drohte, war ich fasziniert von seiner Schoenheit und Unbestechlichkeit. Noch nie zuvor hatte ich so ein schoenes Tier gesehen und seine Statur und sein Verhalten beeindruckten ich nachhaltig. Im Laufe der Jahre baute ich mit dem Schaefer eine Art Freundschaft auf. Ich hatte viele Fragen, zum Beispiel, ob er alle seine 300 Schafe einzeln kennen wuerde. Dieses beantwortete er mir mit ja. Eine weitere Frage war, ob seine Schafe seinen Kommandos folgen. Dieses bestaetigte er mir, indem er seine Schafe mit fuer mich bis heute unverstaendlichen Lauten zu sich rief. Auf die Frage hin, wer nachts auf die Schafe aufpassen wuerde, deutete er auf eine Reihe von weissen Hirtenhunden, die er “Mannara-Hunde” (aus dem Dialekt uebersetzt: Hunde der Herde) nannte. Er erklaerte mir dann es seien Maremmani.CuccioliSie schliefen nachts bei den Schafen und waeren sichere Waechter. Er erzaehlte mir dann von Laemmern, die unter dem besonderen Schutz dieser Hunde stehen wuerden. Sie kuemmerten sich um die Laemmer, die von ihren Muettern im Stich gelassen wuerden: lecken sie trocken und waermen sie. Weiterhin wollte ich wissen, wie er ihnen das beigebracht haette. Da schmunzelte mein Hirtenfreund nur und meinte, dass sie das von alleine taeten. Eines Tages ueberraschte mich der Hirte. Er zeigte mir eine Maremmanohuendin, die 12 Welpen zur Welt gebracht hatte. Ich war etwas schockiert ueber die hygienischen Bedingungen. Die Huendin lag in einm Holzverschlag, in dem es heftig zog. Sie lag mit ihren Welpen, die gerade 2 Tage alt waren, in einer Mulde, die sie sich gegraben hatte. Als ich nach einigen Tagen wieder vorbeischaute, fehlten einige Welpen. Der Hirte sagte sie seien gestorben und das waere ganz normal, den nur die Staerksten wuerden ueberleben. Brutpflege gehoere nicht zu den Aufgaben eines Hirten, das muesste die Huendin selber machen. Ich fasste einen sehr mutigen Entschluss, denn ich hatte Angst, wenn ich nach einigen Tagen wieder kommen wuerde, waeren vielleicht wieder einige gestorben und fragte den Hirten, ob ich 2 Welpen mitnehmen duerfte. Meine Familie hatte eine Entebucherhuendin aus Deutschland mitgebracht, die gerade Welpen hatte.AllattamentoIch versprach dem Hirten die beiden sofort zurueckzubringen, wenn es mit der Amme nicht klappen wuerde. Zu Hause angekommen nahm ich einen der Welpen unserer Huendin und streichelte abwechselnd die beiden weissen Welpen und ihn, um den Geruch auf die beiden Neuankoemmlinge zu uebertragen. Dann legte ich die beiden zwischen den anderen Welpen ans Gesaeuge. Die Hundemutter beaeugte sie nur kurz. Die beiden weissen Knaeule suchten sich sofort eine Zitze und begannen zu trinken.

Im Laufe der naechsten Wochen entwickelten sich die beiden praechtig. Da die eigenen Welpen der Entlebucherhuendin jedoch schon einen Monat aelter waren, versiegte ihre Milch als die beiden Maremmanowelpen etwa drei Wochen alt waren. Also stattete ich meinem Hirtenfreund einen Besuch ab, um frische Ziegenmilch zu bekommen. Von der Schafsmilch riet er mir ab, da diese zu fetthaltig fuer die kleinen Welpen ist.Wieder zu Hause angekommen, praesentierte ich den kleinen die noch warme Milch, die sie auch nach anfaenglichen Schwierigkeiten im Handumdrehen aufschleckten. Sie stellten sich dabei mit ihren Vorderpfoten in die Milchtoepfe und stellten in den ersten Tagen regelmaessig die Kueche unter Milch. Mit meinen ersten beiden Maremmani bin ich durch ganz Sueditalien gereist. CuccioloDie beiden haben mich ueberall hin begleitet. Wir haben gemeinsam die schoensten Sehenwuerdigkeiten besichtigt, einmalige Naturschutzgebiete durchwandert sowie Restaurants, Bistros, grosse Staedte und kleine Bergdoerfer kennengelernt. Sie waren eigentlich wie jeder andere Welpe in diesem Alter. Neugierig und unternehmungslustig. Einen doch sehr entscheidenen Unterschied stellte ich fest als die beiden Brueder 7 Monate alt wurden. Wenn wir frueher bei unseren Ausfluegen auf Passanten trafen, ignorierten sie diese. Auf einmal aenderte sich jedoch etwas. Wenn sie von weitem eine Person oder einen Hund entdeckten, wurde Alarm geschlagen. Sie weldelten mit dem Schwanz und bellten in Richtung des Fremden. Wenn wir irgendwo auf einer Wiese unter einem schattigen Olivenbaum oder auf einer Duene am Meer sassen, fiel mir auf, dass sich meine beiden Halbwuechsigen immer einen erhoehten Platz aussuchten und waehrend ich “alle viere” von mir streckte, sie “wache hielten”. Es ging sogar soweit, dass sie sich nachts auf das Dach meines Autos schlafen legten, um einen besseren Ueberblick zu haben, womit ich natuerlich nicht einverstanden war.Wilden Tieren wie Moeven oder mal einer Meeresschildkroete, denen wir begegneten, verhielten sie sich stets freundlich. Fremde Menschen oder Hunde wurden jedoch mit energischem Bellen auf Abstand gehalten. Sie stellten sich dabei zwischen den Fremden und mich und stellten so einen kleinen Abstand her. Die meisten Italienier, denen wir auf unseren Spaziergaengen begegneten, hielten respektvollen Abstand, die Touristen waren meistens begeistert von den beiden weissen Junghunden und stellten neugierige Fragen.

Piccoli cuccioli cresconoDie reservierte und manchmal schon fast abweisende Art meiner Hunde Fremden gegenueber, verstaerkte sich im Laufe der Monate immer mehr. Irgendwann liessen sie sich ausser von Familienmitgliedern oder Freunden von keinem Unbekannten mehr anfassen. Zutritt auf unser Grundstueck wurde erst nach maremmanotypischer Begruessungszeremonie mit mir und den Hunden zugelassen. Der Besuch wurde keine Sekunde aus den Augen gelassen, auch wenn es manchmal so schien als ob sie schliefen. Dies waren fuer mich ganz neue Wesenszuege von Hunden. Die Hunde, die mich in meinem frueheren Leben begleitet hatten, fanden Besuch und andere Hunde grundsaetzlich toll. Fuer mich stellte aber diese “Eigenart” kein wirkliches Problem dar, da ich zwar eigentlich ein geselliger Typ bin, aber auch die Ruhe in den “eigenen 4 Waenden” sehr schaetze. Auch war ich es von meinen frueheren Hunden gewohnt, dass sie es gerne weich und warm haben.Das Sofa oder das Bett waren da im Winter bevorzugte Plaetze. Mit meinen Hirtenhunden war es ganz anders. Sie liebten es im Regen im Garten zu liegen und einen Knochen zu bearbeiten oder bei windigem kuehlen Wetter im welligen Meer zu baden. Nur im Sommer wurde dann der kuehlste Platz im Haus gesucht und manchmal war es dann auch das kleine Badezimmer, in dem dann ein oder zwei riesige weisse Teppiche lagen.Sein fast katzenartiges Verhalten war auch ein ganz neuer Aspekt, den ich im Zusammenleben mit dem Maremmano kennenlernte, wie zum Beispiel der fast lautlose Rundgang durchs Haus oder die Fuersorge, die sie bei der Fellpflege an den Tag legten. I miei CaniHeute lebe ich mit einem Maremmanorudel im Sueden Italiens. Ich habe mir eine kleine Zucht aufgebaut und es macht mir viel Freude, Interessenten diesen wunderbaren Hund naeher zu bringen.

Um den Maremmano Abruzzesen zu verstehen und mit ihm in Harmonie zu leben, braucht man nicht viel. Man muss seiner Intelligenz gerecht werden und sich seine Treue und seinen Respekt “verdienen”.

Bianca

 

 
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